Inhalt

Einstiegslektüre:

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* Kernthemen und -Forderungen
* Maskulismus für Anfängerinnen

"Maskulismus die radikale Ansicht,
daß Männer keine Schweine sind,
sondern Menschen."

Hauptthemen:

* Maskulismus
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Mittwoch, 6. September 2017

Der Tagesschau-Faktenerfinder





Inhaltsübersicht



Zusammenfassung


Ihre hohe Affinität zu feministischen Sichtweisen beim sogenannten Gender Pay Gap hat die Tagesschau schon einmal vor gut einem Jahr wortreich und melodramatisch in der Rubrik #kurzerklärt deutlich gemacht. Inhaltlich war das ganze eher eine Volksverdummung. Damals war der Anlaß der Equal Propaganda Day. Den hatten wir dieses Jahr schon, aber wir hatten noch keine Bundestagswahl, und so besteht noch Gelegenheit, die postfaktische Realitätswahrnehmung von Martin Schulz zu unterstützen.

Hierzu passend liefert die Tagesschau in der neuen Rubrik "faktenfinder" einen Neuaufguß des aktuellen Stands feministischer Propaganda zum GPG unter den spannenden Titel "Wie hoch ist der Gender Pay Gap wirklich?"

Die Zahlen des Statistischen Bundesamts zum GPG kennt man eigentlich sehr gut. Ebenfalls sehr gut weiß man, daß das statistische Bundesamt kein vollständig bereinigtes GPG berechnen kann, weil ihm dazu die Daten fehlen. Genau diesen zentralen Sachverhalt läßt der faktenerfinder-Artikel weg, er zitiert noch nicht einmal die entsprechende Destatis-Publikation vollständig, berichtet also inkorrekt.

Während der erste Teil des Textes noch versucht, dem Titel gemäß die Höhe der GPGs bei den GPG-Varianten zu erklären - nicht immer erfolgreich und zum Teil falsch, s.o. - ergeht sich die zweite Hälfte in themenfremden Schilderungen des Leidens der Frauen in Deutschland, die mit dem GPG nichts zu tun haben, Spekulationen über Ursachen des GPGs und willkürlichen, ideologieabhängigen Bewertungen dieser vermuteten Ursachen.

Der Tagesschau-Fakten(er)finder profiliert sich als Versuch, die angekratzte Diskurshoheit wiederherzustellen, indem man sich selber zum Hort ultimativer Wahrheiten hochstilisiert. Wenn man dann aber die gleiche abgestandene Propaganda wie schon früher serviert, fällt das womöglich auf und geht nach hinten los, so in diesem Fall.

Nachtrag: In einem parallel auf Facebook am 04.09.2017 erschienenen Video "Sechs oder 21 Prozent: Wie hoch ist der Gender Pay Gap wirklich?" stellt die Tagesschau noch weitere Falschbehauptungen auf.



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Die Höhe des GPGs


Die erste Unrichtigkeit finden wir gleich in der fett gedruckten Zusammenfassung:
Zwischen Männern und Frauen liegt offiziell eine Lohnlücke von 21 Prozent. Doch es gibt auch einen "bereinigten" Wert, der bei sechs Prozent liegt. Wie groß ist der Gender Pay Gap denn nun?
Wenn mit den Anführungszeichen bei "bereinigten" gemeint sein sollte, daß das GPG vom Destatis nur unvollständig bereinigt wird, also ein "nur scheinbar bereinigtes GPG" ist, dann wäre der Text korrekt.

Man hat aber eher den Eindruck, die Anführungszeichen sollten andeuten, daß das Bereinigen irgendwie Unsinn ist, denn das Leiden der Frauen wird dadurch geringer. Dazu passend wird nicht von einer Stundenlohndifferenz geredet, sondern moralisierend von einer Lohnlücke, damit schon einmal alle wissen, wer die Guten und wer die Bösen sind.

Nach einigen i.w. richtigen Ausführungen zum unbereinigten GPG wird es dann gleich wieder spannend beim bereinigten GPG, das:

"bei sechs Prozent lag."
Als Beleg hierzu zitiert wird die Destatis-Pressemitteilung Nr. 094 vom 14.03.2017. In dieser Pressemitteilung findet sich folgender Hinweis:
Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass der bereinigte Gender Pay Gap möglicherweise geringer ausgefallen wäre, wenn weitere lohnrelevante Einflussfaktoren für die statistischen Analysen zur Verfügung gestanden hätten.
Mit etwas investigativem Journalismus findet man schnell heraus, daß ein vollständig bereinigtes GPG auf alle Fälle geringer ausfällt, denn dem Destatis fehlen wesentliche lohnrelevante Daten. Der Tagesschau-Artikel weist sogar auf eine Untersuchung hin, die bessere Daten hatte (es gibt weitere) und die dementsprechend auf deutlich kleinere bereinigte GPGs kommt. Die deutlich verschiedenen GPG-Werte lösen keinerlei Nachdenken darüber aus, wer denn nun recht haben könnte. Genommen wird ohne nähere Begründung der feministisch opportunere Wert. Anstatt Unklarkeiten nachzugehen wird in der Beschreibung des bereinigten GPGs nicht sein Berechnungsverfahren dargestellt, sondern das Faktoid präsentiert, das GPG sei
"[auf] den geringere(n) Anteil von Frauen in Führungspositionen zurückzuführen"
Bei dem verwandten Rechenverfahren, der Oaxaca-Blinder-Zerlegung, werden die Stundenlöhne logarithmiert, um Ausreißer wegzufiltern. D.h. die Führungspositionen, die 1. nicht von Eigentümern besetzt sind, die 2. von Angestellten im Sinne der Arbeitnehmerdefinition der VSE besetzt sind, und die es 3. in die Stichprobe der VSE geschafft haben, die nur ca. 5% der Arbeitnehmerschaft umfaßt, dürften statistisch irrelevant sein. Letztlich ist der Hinweis auf die Führungspositionen als GPG-Erklärung unsubstantiiert und dient nur der üblichen feministischen Propaganda. Weiter geht es mit:
Diskriminierung ist nur ein Faktor

Ein Problem bei der Debatte um den Gender Pay Gap ist, dass die Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern umstandslos mit dem Ausmaß von Entgeltdiskriminierung gleichgesetzt wird.

Das Problem des faktenerfinders ist, daß er umstandslos und ohne Beweis davon ausgeht, daß Diskriminierung überhaupt ein relevanter Faktor ist. Das IW Köln widerlegt die faktenerfinder-These. Weiter:
Der bereinigte Gender Pay Gap dient daher dazu, aufzuzeigen, dass die sogenannte "unerklärte" Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern (die auf Diskriminierung von Frauen beruhen könnte), geringer ist als beim unbereinigten Gender Pay Gap.
Der - um genau zu sein - Bruttostundenlohnunterschied könnte auf allen möglichen Ursachen beruhen, z.B. auf einer streßfreien work-life-Balance vieler Frauen, die sich selbige von ihren Göttergatten finanzieren lassen. Fakten sind übrigens plausibel belegte Aussagen, keine privaten, im Konjunktiv des Selbstzweifels formulierten Vermutungen.



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Spekulationen über das GPG


In der zweiten Hälfte geht der Text zu reinen Spekulationen über, warum es das GPG gibt. Mit dem Titel hat das nicht mehr viel zu tun.
Die Entgeltlücke eher kleinzurechnen, ist aus Sicht der Arbeitgeber legitim.
Überrascht und erschüttert erfahren wir hier, daß die Arbeitgeber offenbar bei der Berechnung des GPGs mitrechnen dürfen und das Ergebnis mit abgefeimten Tricks nach unten drücken und daß das zumindest aus Sicht der gewissenlosen Arbeitgeber legal ist, also juristisch vertretbar, aber doch anrüchig. Gerüchten zufolge arbeiten aber beim Destatis keine Arbeitgeber, sondern öffentliche Angestellte oder Beamte. Ferner ist die Oaxaca-Blinder-Zerlegung ein Standardverfahren zur Berechnung von Einkommensdifferenzen zwischen Bevölkerungsgruppen, da kann man nichts klein- oder großrechnen.

Schade übrigens, daß nicht auch erwähnt wurde, daß es aus Sicht der SPD und der Grünen legitim ist, die Entgeltlücke großzurechnen.

Gender Pay Gap von 21 Prozent ist real
Ausnahmsweise richtig, das unbereinigte GPG ist in der Tat eine so reale Bedrohung für die Statistik-Kompetenz der Bevölkerung, daß Statistiker davor warnen und es schon zweimal zur Unstatistik des Monats erklärt haben.

Das bereinigte GPG ist übrigens auch real, sozusagen ein Faktum, über dessen Fund man sich freuen könnte. Welches von beiden GPGs ist jetzt realer?

Denn der Unterschied beim Durchschnitts-Stundenlohn wird ja nicht geringer, weil man die Vergleichsgrößen ändert.
Arghh. Wieder eine Live-Vorführung von Innumeracy. Das bereinigte GPG wird nach der Oaxaca-Blinder-Zerlegung berechnet, da werden keine Durchschnitte von Stundenlöhnen berechnet. Vereinfacht ausgedrückt - speziell für die ARD - wird beim Bereinigen ein sinnloses Rechenverfahren durch ein komplett anderes, weitaus sinnvolleres Verfahren ersetzt.
Mit dem "erklärten" Teil ist gemeint, dass Frauen im Durchschnitt ... Aus Sicht derjenigen, die sich für mehr Lohngerechtigkeit zwischen den Geschlechtern stark machen, ist damit aber noch keineswegs "erklärt", warum zum Beispiel Erziehungs-, Pflege- und Gesundheitsberufe schlechter bezahlt sind als technische Tätigkeiten.
Man beachte, wie hier klammheimlich von einem wertfreien statistischen Begriff, dem bereinigten GPG, zu einem moralischen Begriff, einer nicht näher definierten "Lohngerechtigkeit", übergegangen wird.

Lohn ist ein Entgelt für Arbeitsleistung, bezieht sich also auf ein Arbeitsverhältnis. Gerecht ist ein Lohn nach gängiger Auffassung dann, wenn er die Anforderungen und Belastungen angemessen kompensiert und wenn für i.w. gleiche Anforderungen und Belastungen i.w. der gleiche Lohn gezahlt wird. Letzteres ist der Fall, das vollständig bereinigte GPG liegt höchstwahrscheinlich in der Größenordnung von 2%, das ist im Rahmen des statistischen Rauschens.

Wenn hier eine fehlende "Lohngerechtigkeit" insinuiert wird, wird damit der Referenzrahmen verschoben, und zwar vom reinen Arbeitsverhältnis auf den gesamten langjährigen Ausbildungs- und Berufswahlprozeß. Z.B. wird es zu einem Unrecht erklärt, daß Männer vor Jahrzehnten mehr in ihre Ausbildung investiert haben als Frauen und daher heute mehr Lohn bekommen.

Wer sich einigermaßen seriös mit Berufswahlprozessen und Präferenzen bei der Arbeits- und Lebensplanung befaßt, käme nie auf die Idee, diese komplizierten und vielfältigen Prozesse pauschal und ohne jegliche Argumente als "ungerecht" zu bezeichnen. Das Tagesschau-Faktoid "Lohnungerechtigkeit" ist eine willkürliche Setzung und damit eine freie (oder ideologiegetriebene) Erfindung.

Wenn man keine Argumente hat, baut man gerne Strohmänner auf, wir lesen noch einmal den letzten Satz:

Aus Sicht derjenigen, die sich für mehr Lohngerechtigkeit zwischen den Geschlechtern stark machen, ist damit [mit dem "erklärten" Anteil des GPGs] aber noch keineswegs "erklärt", warum zum Beispiel Erziehungs-, Pflege- und Gesundheitsberufe schlechter bezahlt sind als technische Tätigkeiten.
Der Vergleich ist in seiner Pauschalität hanebüchen, ein Arzt verdient z.B. deutlich mehr als ein Ingenieur, aber so genau kommt es beim Faktenfinden auch nicht drauf an.

Daß die GPG-Bereinigung keine Erklärung liefert, warum verschiedene Berufe verschieden bezahlt werden, ist nicht weiter erstaunlich. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Die hier durchscheinende Erwartung ist haarsträubender Unsinn und läßt auf ein tiefgreifendes Unvermögen, Statistiken zu verstehen, bei "denjenigen, die sich für mehr Lohngerechtigkeit zwischen den Geschlechtern stark machen", schließen. Die Bezahlung in unterschiedlichen Branchen bzw. Berufen hängt von allen möglichen Faktoren ab, von der statistisch unterschiedlichen Präferenz bei der Berufswahl allenfalls am Rande.

"Frauenberufe" sind schlechter bezahlt
Wieder mal ein Klassiker aus der feministischen Propagandakiste, die feministische Falschaussage "'Frauenberufe' werden schlechter bezahlt als 'Männerberufe'".
Sorgearbeit wird vor allem von Frauen geleistet
Sorry, aber was hat das mit gerechten Bruttostundenlöhnen von Angestellten für bestimmte Arbeiten zu tun? Soll man mehr Lohn bekommen, solange man seine Eltern selber pflegt? Außerdem stimmt es leider nicht, daß Frauen statistisch wesentlich mehr Haushalts- und Sorgearbeit leisten als Männer, s. feministische Falschaussage (Soziales) "Frauen leisten viel mehr unbezahlte Arbeit im Haushalt als Männer".
Alleinerziehende Mütter tragen hier ein besonders großes Risiko für Verdiensteinbußen
Das könnte damit zusammenhängen, daß bei der gängigen Rechtssprechung regelmäßig der Erzeuger ihrer Kinder dazu verurteilt wird, die Frau zu versorgen, sie hat es nicht nötig, selber Geld zu verdienen. Die halbe Wahrheit wegzulassen ist auch hier wieder einmal eine ganze Falschheit.
Deutliche Zahlen
Bzw. passend herausgesuchte Zahlen. Zitiert wird unter dieser Überschrift eine "repräsentativen Studie" - repräsentativ für Frauen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren, also nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung - wonach diese Gruppe etwa die gleichen Schulabschlüsse wie Männer hat, aber weniger arbeitet. Was ist daran ungerecht, wer ist - im Falle eines Unrechts - der Schuldige, und in welchem Zusammenhang steht dieses Pseudofaktum mit dem GPG, also einer Stundenlohndifferenz?
"Heiratsmarkt" entlohnt Frauen besser
Stimmt, das merkt man als Mann schon beim ersten Date und der Frage, wer bezahlt. Wie dem auch sei, in welchem Zusammenhang steht dieses Pseudofaktum mit dem GPG, also einer Stundenlohndifferenz?
Vom Gender Pay Gap zum Gender Pension Gap
Die ARD hört sicher gerne, daß der Anteil der Personen, die von Altersarmut betroffen sind, bei Männern höher ist als bei Frauen, Details s. feministische Falschaussage (Soziales) "Altersarmut ist ein Frauenproblem".
Deutschland liegt in Europa weit hinten
Die faktenerfinder läßt auch hier vorsichtshalber die unpassende Hälfte der Fakten weg. U.a. das WSI - das weiter oben im Text zitiert wurde, als es passend war - klärt auf:
Bei der Interpretation des Gender Pay Gap im Ländervergleich ist generell zu beachten, dass dieser jeweils das Resultat einer Vielzahl länderspezifischer Faktoren ist: ... Beispielsweise kann ein geringer Gender Pay Gap auch mit einer insgesamt niedrigen Erwerbstätigenquote von Frauen in diesem Land einhergehen, wie es in Malta, Polen oder Italien der Fall ist. (2) Der geringe Gender Pay Gap in diesen Ländern ist dann teilweise darauf zurückzuführen, dass Frauen in der Familienphase (wenn die Kinder noch klein sind) zumeist gar nicht arbeiten, während sie in vielen anderen Ländern hingegen nur in geringfügigem Umfang erwerbstätig sind, und dadurch im Durchschnitt geringere Stundenlöhnen erzielen als Männer.
Deutschland liegt in Europa weit vorne, wenn man auf die richtigen Zahlen sieht.
Von echter Lohngerechtigkeit zwischen den Geschlechtern ist Deutschland - bei aller Komplexität der Debatte - nach wie vor weit entfernt.
Wenn hier etwas von etwas weit entfernt ist, dann die ARD von ideologiefreier, sachlich korrekter Information.

PS: Veröffentlicht wurde der Artikel am 04.09.2017 um 20:33 Uhr, nach drei Kommentaren wurde die Kommentierung beendet, der letzte Kommentar kam um 20:56 Uhr durch, immerhin 23 Minuten nach Veröffentlichung. Wirklich großzügig.



Nachtrag (06.09.2017, 17:00)

Parallel zum Fakten(er)finder-Artikel hat die Tagesschau auf Facebook am 04.09.2017 ein Video veröffentlicht: "Sechs oder 21 Prozent: Wie hoch ist der Gender Pay Gap wirklich?". Das Video ist wesentlich weniger umfangreich, enthält aber trotzdem reihenweise Falschbehauptungen:
  1. 0:11: Falschbehauptung "für gleiche Arbeit" bekommen Frauen 6 % weniger.

    Diese Aussage ist falsch. Selbst wenn man hinzufügt: "im Durchschnitt", ist es immer noch falsch, weil wegen der Arbeitsmarktsegregation auch ungleiche Arbeit in der GPG-Werte einfließt, Details s. hier und hier.

  2. 0:19: "Mütter verdienen weniger, Väter mehr"

    Was soll hier gesagt werden? Stillende Mütter? Mütter, die ein minderjähriges Kind im Haushalt haben? Teilzeitarbeitende Mütter?

  3. 0:24: "Frauen kümmern sich mehr um Familie = weniger Zeit für Arbeit"

    Das Argument ist Unsinn, das GPG bezieht sich auf den Bruttostundenlohn, der wird pro Arbeitsstunde bezahlt. Falsch ist die optische Unterstellung, der Männer würden nichts im Haushalt leisten uns sich nicht um die Kinder kümmern.

  4. 0:26: zusätzliche Behauptung durch ein Symbol für einen alten Mann, daß nur Frauen Pflegeleistungen erbringen

    Diese Aussage ist falsch.

  5. 0:37: "21% ist der reale Unterschied"

    Damit soll offenbar angedeutet werden, daß das bereinigte GPG von 6% nicht real ist - eine Lüge. Das bereinigte GPG ist sogar realer, weil es eine sinnvollere Aussage über die Realität macht das unbereinigte GPG.



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Quellen




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Dienstag, 8. August 2017

Die Heinrich-Böll-Stiftung - ein staatlich finanziertes Matriarchat





Inhaltsübersicht



Zusammenfassung


Seit Wochen sorgt der grüne Antifeminismus-Pranger "agentin.org" für erhebliches Rauschen im Blätterwald. Er wurde mitverantwortet vom Leiter des Gunda-Werner-Instituts, Henning von Bargen. Laut einer aktuellen Verlautbarung des Vorstands der Heinrich-Böll-Stiftung wurde der Pranger soeben vom Netz genommen. Da nicht jeder diese Namen und Institutionen einordnen kann, rekapitulieren wir - speziell für Anfänger und inspiriert vom Faktenfinder der Tagesschau - die wichtigsten Sachinformationen zu den Akteuren in dieser Affäre, um zu besser einordnen zu können, wer hat da was mit welchem Hintergrund entschieden hat. Die Fakten:
  • Die Heinrich-Böll-Stiftung ist keine Stiftung im rechtlichen Sinn, sondern ein eingetragener gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin. Formal ist der Verein parteiunabhängig, tatsächlich dürfen die 49 zulässigen Mitglieder nur von der Bundespartei und der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen nominiert werden. Das Impressum bezeichnet die Heinrich-Böll-Stiftung e.V. daher korrekt als "die parteinahe Stiftung der Grünen".
  • Der Verein hat jährliche Einnahmen in der Größenordnung von 60 Millionen Euro, die nahezu vollständig aus öffentlichen Kassen stammen.
  • Ein besonderes Anliegen des Vereins ist "die Verwirklichung von Geschlechterdemokratie als ein von Abhängigkeit und Dominanz freies Verhältnis der Geschlechter." Die real existierende Geschlechterdemokratie des Vereins kopiert das Frauenstatut der Grünen, das in allen Machtpositionen eine (grundgesetzwidrige) harte Frauenquote von 50% vorschreibt, 100% sind explizit erlaubt. Aktuell beträgt die Frauenquote im Vereinsvorstand und der Geschäftsführung 100%, ebenso natürlich in dem mit Sondervollmachten ausgestatteten Frauenrat. Eine Geschlechterdemokratie im Sinne der Heinrich-Böll-Stiftung ist somit faktisch ein Matriarchat.
  • Das ebenfalls öffentlich auftretende Gunda-Werner-Institut (GWI) ist keine eigene juristische Person, sondern nur eine Organisationseinheit innerhalb des Vereins. Ziel des GWI ist insbesondere, Herrschaftsstrukturen und Dominanzverhältnisse zwischen den Geschlechtern zu reflektieren und gesellschaftliche Emanzipation und Gleichstellung aller Geschlechter in allen Bereichen der Gesellschaft - de fakto also ein Matriarchat - zu unterstützen und voranzutreiben.
  • Das satzungsmäßige wie faktische Matriarchat im Heinrich-Böll-Stiftung e.V. steht offensichtlich in krassem Gegensatz zu Grundgesetz Artikel 3. Eine spannende Frage, für die man einen Verfassungsjuristen braucht, besteht darin, ob es zulässig ist, aus staatlichen Mitteln Vereine zu finanzieren, die offensichtlich selber grundgesetzwidrige Strukturen haben und weiter verbreiten wollen.


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Der "Heinrich-Böll-Stiftung e.V."


Rechtsform

Der "Heinrich-Böll-Stiftung e.V." ist keine Stiftung im üblichen rechtlichen Sinn, sondern ein eingetragener Verein. Eine Stiftung ist in Deutschland eine Einrichtung, die mit Hilfe eines Vermögens einen vom Stifter des Vermögens festgelegten Zweck verfolgt. Die meisten Stiftungen sind öffentliche Stiftungen des bürgerlichen Rechts und dienen gemeinnützigen Zwecken. Der Heinrich-Böll-Stiftung e.V. hat keinen derartigen Vermögensstock, er finanziert sich nur über laufende Einnahmen.

Aktuelle Zusammensetzung von Vorstand, Geschäftsführung und weitere Leitungsfunktionen

Die Aktuelle Zusammensetzung von Vorstand, Geschäftsführung und weiteren Gremien finden sich auf der Seite https://www.boell.de/de/kontakt bzw. im Organisationsplan, Stand: 30. April 2017. Danach sind die Leitungsfunktionen geschlechterdemokratisch und satzungskonform wie folgt zusammengesetzt (Frauen : Männer - Frauenquote):
  • Vorstand: 2:0 - 100%
  • Referentinnen des Vorstands: 2:0 - 100%
  • Geschäftsführung: 1:0 - 100%
  • Referentinnen / Assistentinnen der Geschäftsführung: 4:0 - 100%
  • Aufsichtsrat: 5:4 - 55%
  • Frauenrat: 10:0 - 100%

Finanzierung

Der Heinrich-Böll-Stiftung e.V. weist in seinen Jahresberichten die Einnahmen nach Hauptquellen strukturiert aus. Im Jahresbericht 2016 werden die Einnahmequellen auf S. 54 wie folgt erläutert:
Finanzielle Rahmenbedingungen der Stiftungsarbeit

Die Heinrich-Böll-Stiftung ist als gemeinnütziger Verein beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg registriert. Ihre Arbeit finanziert sich zum überwiegenden Teil aus öffentlichen Zuwendungen. Der zentrale Baustein unserer Finanzierung sind die sog. Globalmittel, die der Bundestag im Haushalt des Bundesministeriums des Innern für die Arbeit politischer Stiftungen zur Verfügung stellt. Über die Verwendung der Globalmittel kann die Stiftung zur Erfüllung ihrer satzungsgemäßen Aufgaben weitgehend frei entscheiden. ...

Zusätzlich erhält die Stiftung Projektmittel, die nur für den jeweils vereinbarten Zweck verausgabt werden dürfen (z. B. für die Auslandsarbeit oder die Studien- und Promotionsförderung). Die Projektmittel werden durch Verwaltungskostenzuschüsse (VKZ) ergänzt, die ähnlich wie Globalmittel eingesetzt werden können. ...

Neben den öffentlichen Mitteln hat die Heinrich-Böll-Stiftung auch Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb der Weiterbildungsakademie Green Campus.

Die Gesamteinnahmen betrugen 57.599.805 Euro in 2015, 62.221.188 Euro in 2016.

Die Globalmittel hatten einen Anteil von 34,07% in 2015 und 32,92% in 2016.

Die Projektmittel Bundesregierung und EU hatten einen Anteil von 65,60% in 2015 und 66,21% in 2016.

Die "Sonstigen Einnahmen", unter die u.a. die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen fallen, betrugen 0,13% in 2015 und 0,28% in 2016. D.h. die nicht aus öffentlichen Quellen stammenden Mittel sind nur marginal.



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Das Gunda-Werner-Institut (GWI)


Das Gunda-Werner-Institut (GWI) hat eine eigene Webseite http://www.gwi-boell.de und wird deswegen und wegen der Bezeichnung "Institut" leicht fälschlich für eine eigene juristische Person gehalten. Tatsächlich ist es nur eine Organisationseinheit des Heinrich-Böll-Stiftung e.V., die in dessen Satzung § 11b eingerichtet wird.

Man kann sich fragen, wieso ein radikal feministischer, matriarchaler Verein noch einmal zusätzlich eine extrafeministische Organisationseinheit braucht und worin sich diese Organisationseinheit vom restlichen Verein unterscheidet. Am naheliegendsten ist die Interpretation als Elitetruppe und Think Tank. Nach eigenem Bekunden steht auf Platz 1 der Themenliste des GWI das Thema Feminismus & Geschlechterdemokratie, bei dem "feministische und geschlechterdemokratische Konzepte weiterentwickelt" werden.

In der Gliederung der Themenseite Feminismus & Geschlechterdemokratie findet man wider Erwarten keinen Eintrag für Feminismus, stattdessen einen für Antifeminismus - die Bekämpfung von Feminismuskritikern scheint oberste Priorität zu haben - und Männerpolitiken, wo es z.B. um "wütende weiße Männer" und "Rassismus und Männlichkeiten" geht.

Zum Begriff Geschlechterdemokratie erfahren wir auf einer eigenen Themenseite:

Geschlechterdemokratie als Vision und Organisationsprinzip

Geschlechterdemokratie hat die Vision, Demokratie zwischen Frauen und Männern herzustellen, und zwar nicht nur durch formale Gleichheit, sondern durch die Anerkennung von Verschiedenheit auf der Basis gleicher Rechte und Möglichkeiten. Geschlechterdemokratie ist ein Leitbild und Organisationsprinzip, das geschlechtliche Hierarchien und starre Geschlechterrollen, die in gesellschaftlichen Einrichtungen und Organisationen strukturell "eingefroren" sind, aufbrechen und verändern will.

Geschlechterdemokratie in der Heinrich-Böll-Stiftung

Geschlechterdemokratie ist in der Heinrich-Böll-Stiftung als übergreifendes Leitbild in der Satzung verankert und durchzieht alle Bereiche der Stiftungsarbeit. Das Leitbild ist nicht nur Arbeitsaufgabe, sondern auch Organisationsprinzip: geschlechterhierarchische Organisationskulturen und -strukturen sollen demokratisiert, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sensibel für Geschlechterdifferenz und Ungleichheit werden und sich auch in ihrer Arbeit für Geschlechtergerechtigkeit einsetzen. ....



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Kampfbegriff "Geschlechterdemokratie"


Politische Kampfbegriffe sind Instrumente des politischen Meinungskampfes und dienen oft dazu, unterschwellig unzutreffende Botschaften zu vermitteln oder Debatten zu vernebeln, um tatsächlich verfolgte Ziele zu verdecken, so auch hier.

Der Begriff "Geschlechterdemokratie" ist wörtlich genommen Unsinn. Demokratie ist eine Herrschaft des Staatsvolkes, das unmittelbar oder durch Auswahl entscheidungstragender Repräsentanten an allen Entscheidungen, die die Allgemeinheit verbindlich betreffen, beteiligt ist. Wesentlich ist hier, daß einzelne Menschen direkt oder indirekt über gewählte Vertreter Macht ausüben, unabhängig von ihrem Geschlecht.

Das GWI definiert Geschlechterdemokratie als "ein Leitbild und Organisationsprinzip, das geschlechtliche Hierarchien und starre Geschlechterrollen ... aufbrechen und verändern will". Das ist kategoriell etwas anderes als eine Demokratie, nämlich bestenfalls eine Ideologie, die auf Kampfbegriffen wie Geschlecht ("Gender"), Geschlechterhierarchie oder Geschlechtsstereotyp basiert und die einen mehr oder weniger totalitäten Anspruch aufstellt, wie Menschen sich im Alltag verhalten sollen, womit wir weit entfernt sind von den Regelungsbefugnissen, die man dem Gesetzgeber in freiheitlichen Demokratien zugesteht.

Ebenfalls extrem fragwürdig ist die Definition von Geschlechterdemokratie als "Demokratie zwischen Frauen und Männern". Eine Demokratie existiert nicht "zwischen" bestimmten Machtinhabern, sondern in einem Staat. Wenn hier mit "Frauen" und "Männern" die jeweiligen Kollektive gemeint sind, ist Geschlechterdemokratie nur ein Synonym für Identitätspolitik, einer ausgesprochen asozialen und schädlichen Ideologie, die indes im Feminismus seit langem unterstützt wird.

Teilweise wird Geschlechterdemokratie auch als weitgehend synonym zu Gender Mainstreaming verstanden. Offiziell strebt man dabei die Berücksichtigung der Interessen aller "Geschlechter" an, faktisch aber eine einseitige Privilegierung von Frauen, wie sie sich am besten in der real gelebten Geschlechterdemokratie des Heinrich-Böll-Stiftung e.V. zeigt.



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Auszüge aus der Satzung des Heinrich-Böll-Stiftung e.V.


Auszüge aus der Satzung des Heinrich-Böll-Stiftung e.V. vom 18. Dezember 2007 (Hervorhebungen hinzugefügt):

§ 2 Zweck des Vereins

(3) Ein besonderes Anliegen ist ihr die Verwirklichung von Geschlechterdemokratie als ein von Abhängigkeit und Dominanz freies Verhältnis der Geschlechter. Diese Gemeinschaftsaufgabe ist sowohl für die interne Zusammenarbeit als auch für die öffentliche Tätigkeit aller Bereiche ein maßgebliches Leitbild.

§ 3 Gemeinnützigkeit

(3) Die Mittel der Stiftung dürfen nicht an eine Partei oder eine ihrer Untergliederungen weitergegeben werden.

§ 4 Mitgliedschaft

(2) Die Zahl der Mitglieder ist auf 49 begrenzt.

(3) Die Mitglieder werden als Einzelpersonen aufgrund von Wahlvorschlägen aus
a) der Bundespartei und der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen,
b) jeder Landesstiftung,
c) den Freundinnen und Freunden der Heinrich-Böll-Stiftung
durch die Mitgliederversammlung gewählt.

§ 5 Zusammensetzung und Arbeit der Organe und Gremien

(1) Organe des Vereins sind:
a) die Mitgliederversammlung
b) der Vorstand
c) der Aufsichtsrat

Gremien des Vereins sind:
a) der Frauenrat
...

(2) Für die Organe und Gremien der Stiftung gilt eine Quotierung von mindestens 50 Prozent für Frauen auf allen Arbeitsebenen sowie mindestens zehn Prozent für Personen mit Migrationshintergrund. Für den Bereich der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gilt dies als Zielvorgabe.

§ 6 Mitgliederversammlung

(6) Ein Beschluss der Mitgliederversammlung, der gegen die Mehrheit der anwesenden Frauen gefasst worden ist, ist bis zur nächsten Mitgliederversammlung auszusetzen, wenn mindestens die Hälfte der Frauen der Mitgliederversammlung anwesend ist und dies mit Mehrheit beschließt (aufschiebendes Veto). Die Abstimmung erfolgt auf Antrag von mindestens zwei der anwesenden Frauen der Mitgliederversammlung.

§ 10 Frauenrat

(1) Zur Unterstützung frauenpolitischer Ziele der Stiftung nach § 2 der Satzung und zur Umsetzung der Gemeinschaftsaufgabe Geschlechterdemokratie nach innen und außen wird der Frauenrat eingesetzt, der mit dem Koordinationsbereich der Gemeinschaftsaufgabe eng verknüpft ist. .....

Als qualifizierte Empfehlungen müssen die Frauenratsentscheidungen vom Vorstand berücksichtigt werden. Im Falle von Dissens muss der Vorstand seine Position gegenüber dem Frauenrat begründen und diskutieren, bevor er eine endgültige Entscheidung trifft. ...

(3) Der Frauenrat setzt sich zusammen aus mindestens sieben und höchstens zehn Frauen.

§ 11b Gunda-Werner-Institut

(1) Das Gunda-Werner-Institut trägt auf der Grundlage feministischer und geschlechterdemokratischer Erkenntnisse in emanzipativer Absicht zur politischen Bildungs- und Beratungsarbeit der Stiftung bei. Ziel der Arbeit ist es insbesondere, Herrschaftsstrukturen und Dominanzverhältnisse zwischen den Geschlechtern zu reflektieren und gesellschaftliche Emanzipation und Gleichstellung aller Geschlechter in allen Bereichen der Gesellschaft zu unterstützen und voranzutreiben

(2) Das Gunda-Werner-Institut arbeitet als eigener Bestandteil der Bundesstiftung an der Umsetzung der Stiftungsziele mit. Zur Gewährleistung einer professionell strukturierten Arbeit werden dem Institut in ausreichendem Maße Globalmittel zur Verfügung gestellt.

...



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Quellen


  1. Jahresbericht 2015. Heinrich-Böll-Stiftung e.V., 2016. https://www.boell.de/sites/default/files/boell-stiftung_jahresbericht-2015.pdf
  2. Jahresbericht 2016. Heinrich-Böll-Stiftung e.V., 2017. https://www.boell.de/sites/default/files/hbs_-_jahresbe ... zel.pdf


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