Inhalt

Einstiegslektüre:

* Maskulismus in zwei Minuten
* Kernthemen und -Forderungen
* Maskulismus für Anfängerinnen

"Maskulismus die radikale Ansicht,
daß Männer keine Schweine sind,
sondern Menschen."

Hauptthemen:

* Maskulismus
* Feminismus und feministische Politik
* Gender-Studies und feministische Theorie
* Feministische Rhetorik und Kampfbegriffe
* Medien und feministische Propaganda

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Maskulismus-Varianten


Thema: Maskulismus-Varianten

Thema: Klassifikation nach Zielen, Grundwerten und Kontext

Thema: Klassifikation nach Organisationsformen




Thema: Maskulismus-Varianten



Ziele, Theorien, Grundwerte und Biologie

Der Begriff Maskulismus wird in verschiedenen konkreten Bedeutungen benutzt, die i.f. näher beschrieben werden. Die Darstellung erhebt nicht den Anspruch, alle Varianten komplett aufzuzählen; ganz im Gegenteil wird auch der Frage nachgegangen, mit welchem Aufwand man einzelne Varianten näher kennenlernen kann.
Das Leitmotto ist sozusagen: "Ich will hier in diesem Land männerrechtlich politisch aktiv werden, habe nur beschränkt viel Zeit, mich einzuarbeiten, und möchte mich nicht verzetteln, sondern meine Zeit möglichst produktiv verwenden." Der Text versteht sich daher auch als Orientierungshilfe, welche Maskulismus-Varianten mit wenig Aufwand erlernbar sind und wie diese ggf. mit persönlichen Interessen übereinstimmen.
Statt von Maskulismus-Varianten könnte man auch von Aspekten oder Teilgebieten eines allumfassenden Maskulismus reden und der Frage, auf welche Teilgebiete man sich konzentriert.

Maskulismus (wie auch Feminismus) wird sowohl als Bezeichnung für

  • eine soziale Bewegung, also eine Vielzahl an Personen, die bestimmte gemeinsame Forderungen vertreten bzw. entsprechend handeln, als auch für
  • die Ziele, Theorien und Grundwerte der Bewegung
verwendet. Die erste Definition legt es nahe, Maskulismus-Varianten anhand größerer Gruppen, z.B, anhand der Parteizugehörigkeit, oder anhand von prominenten Vordenkern und Leitfiguren zu bilden. Da diese Gruppen eher willkürlich gebildet werden und Vordenker oft verschieden interpretiert werden oder sich mit der Zeit ändern, wird hier die zweite Alternative gewählt.

Ziele und Forderungen

Der eigentliche Grund für eine soziale Bewegung ist die Unzufriedenheit mit den vorhandenen politischen oder sozialen Zuständen. Hieraus resultieren mehr oder weniger konkrete Forderungen, daß sich etwas ändert. Diese Forderungen und die damit verbundenen Intentionen bezeichnen wir i.f. als die Ziele der Bewegung. Gegenstand dieser Forderungen können z.B. sein:
  • die Aufhebung oder Änderung von Gesetzen oder anderen Vorschriften, die Männer diskriminieren. Adressat der Forderungen sind der Gesetzgeber oder einzelne Parteien, die die Gesetze einbringen sollen.
  • Einführung oder Änderung von Verhaltenskonventionen. Beispielsweise können Männer kaum Kindergärtner werden, weil viele Mütter einem männlichen Kindergärtner grundlos unterstellen, pädophil zu sein, und gegen ihn protestieren. Forderungen, Vorteile abzubauen bzw. das eigene Verhalten zu ändern, richten sich direkt an alle involvierte Personen; sie können i.a. nicht mit Strafen durchgesetzt werden, sondern laufen eher auf eine Aufklärung und Bekämpfung von Vorurteilen heraus.
  • Bereitstellung von Mitteln, Personal und sonstigen Ressourcen zur Realisierung der Ziele der Forderungen.

Theorien

Wenn man politische oder soziale Forderungen aufstellt, muß man sie begründen. Typischerweise werden bestimmte Zustände als ungerecht bewertet, und es werden Gegenmaßnahmen gefordert. Zur Begründung von politischen oder sozialen Forderungen werden immer mehr oder weniger explizit Theorien und Grundwerte herangezogen.

Eine Theorie ist für unsere Zwecke ein System von Aussagen, das dazu dient, Ausschnitte der Realität zu beschreiben beziehungsweise ihre "Funktionsweise" zu erklären und Prognosen über die Zukunft zu erstellen. Da es sich hier letztlich soziale Themen behandelt, betreffen die interessierenden Aussagen die Menschen und die sozialen Systeme.
Es ist sinnvoll, zwischen den Grundannahmen einer Theorie und den daraus abgeleiteten Aussagen einer Theorie zu unterscheiden. Die Grundannahmen können i.d.R. nicht formal oder empirisch bewiesen werden.

Grundwerte

Zu den Grundannahmen gehören insb. Wertungen wie z.B. "Alle Menschen sind gleich viel wert." Solche Grundannahmen werden meist als Grundwerte bezeichnet, Grundwerte kann man weder durch Beobachtungen empirisch bestätigen noch aus anderen Fakten ableiten, sondern allenfalls ethisch oder philosophisch begründen.

Eine Gruppe besonders grundlegender Grundwerte sind die allgemeinen Menschenrechte, die jedem Menschen unabhängig von der Staatsangehörigkeit zustehen, und die Grundrechte gemäß der Verfassung (im Fall von Deutschland also dem Grundgesetz), die jedem Bürger eines Staats zustehen. Letztere schützen oft den Bürger vor staatlicher Willkür, ein Aspekt, der wegen der totalitären deutschen Geschichte besonderes Gewicht im deutschen Grundgesetz hat. Die Maskulismus-Varianten, die sich nur auf derartige Grundwerte stützt, werden i.f. zusammenfassend als Demokratischer Maskulismus bezeichnet.

Biologie

Soziale Theorien behandeln das Verhalten von einzelnen Menschen und sozialen Gemeinschaften. Trotz intellektueller Höchstleistungen bleiben Menschen biologische Wesen, und die Biologie (hier als Oberbegriff verstanden, der Medizin, Verhaltensforschung, Evolutionstheorie usw. umfaßt), speziell die Verhaltensbiologie, hat in den letzten Jahrzehnten umfangreiche Belege erbracht, daß menschliches Verhalten sehr oft unterbewußt ("instinktiv") gesteuert wird.
Beispielsweise werden fast alle alltäglichen Entscheidungen - weiche ich einer entgegenkommenden Person links oder rechts aus? welches Essen wähle ich heute in der Kantine? antworte ich eher versöhnlich oder patzig auf eine unfreundliche Ansprache? usw. - in Sekundenbruchteilen intuitiv entschieden, ohne die Vor- und Nachteile bzw. Alternativen bewußt und rational abzuwägen.
Viele Verhaltensmuster und Gefühle, sogar die Entwicklung des Gehirns, sind mehr oder weniger stark durch Hormone gesteuert. Ein Beispiel ist die sexuelle Orientierung, die als biologisch bestimmt angesehen wird, die also nicht erlernbar oder, falls unerwünscht, "heilbar" ist. Weitere Beispiele sind Charaktermerkmale wie Aggressivität oder Ängstlichkeit oder Talente in einzelnen intellektuellen Bereichen, die den Handlungsrahmen einschränken.

Der entscheidende Unterschied zwischen biologischen Grundannahmen und Grundwerten ist, daß biologische Aussagen empirisch überprüfbar sein und zuverlässige Prognosen ermöglichen müssen. Beispielsweise wird ein Medikament erst zugelassen, wenn die Wirksamkeit des Wirkstoffs durch entsprechende Testverfahren empirisch bewiesen ist.

Praktisch alle sozialen Theorien machen explizit oder implizit Annahmen über biologische Dispositionen von Menschen, entweder deterministisch bei jedem einzelnen Menschen oder nur statistisch im Sinne einer Verteilung. Die Skala reicht von "keinem Einfluß" bis hin zu "starkem, dominierenden Einfluß". Der wissenschaftliche Konsens liegt irgendwo in der Mitte zwischen den beiden Extremen, nämlich daß sowohl biologische Dispositionen als auch soziale Einflüsse einen wesentlichen Einfluß haben und nicht ignoriert werden können. D.h. beide Extrempositionen werden abgelehnt.

Soziale Theorien sind im Gegensatz zu biologischen Aussagen i.d.R. nicht empirisch beweisbar. In der empirischen Sozialforschung kann mit quantitativen Methoden und bei Einhaltung wissenschaftlicher Standards zumindest eine sehr hohe Glaubwürdigkeit von Aussagen erreicht werden. Untersuchungsgegenstände, die sich nicht mit quantitativen Methoden erforschen lassen, werden stattdessen mit Methoden der qualitativen Sozialforschung erforscht, deren Ergebnisse allerdings erheblich von der Perspektive, aus der heraus Fragen formuliert werden, oder ideologischen Voreingenommenheiten abhängen können und die in der Summe nicht als objektiv gelten.

Das Gesamtbild

Die folgende Tabelle faßt noch einmal zusammen, in welchen Schritten politische Ziele und Forderungen, Gesetze, soziale Ordnungen usw. entstehen: Ausgangspunkt sind ethisch oder philosophisch begründete Grundwerte und naturwissenschaftliche Grundlagen. Auf diesen basieren soziale Theorien, die die Funktionsmechanismen von Gesellschaften zu erklären versuchen. Viele soziale Theorien unterstellen bereits ein anzustrebendes Ideal einer Gesellschaft und erklären, warum die real vorhandene Gesellschaft von der idealen abweicht. Aus der Diskrepanz von Wunsch ("Ziele") und Wirklichkeit werden Maßnahmen ("Interventionen", die sich als politische Forderungen darstellen) abgeleitet, die zu ergreifen sind, um die ideale Gesellschaft zu erreichen, und es wird begründet, warum diese Maßnahmen wahrscheinlich wirksam sein werden. Die politischen Ziele wird man nicht immer 1:1 umsetzen können, ggf. müssen Koalitionen vereinbart werden und man muß Kompromisse eingehen.

1. Grundannahmen 2. soziale Theorien 3. Ziele und Forderungen 4. Praktische Umsetzung
a. ethisch / philosophische Grundwerte
b. naturwissenschaftliche Grundlagen: Biologie, Medizin, Neurobiologie, Psychologie, ...
Soziologie,
Anthropologie,
Politologie,
....
einzelne Ziele und Forderungen,
ganze soziale Ordnungen,
....
Strategien, Aufteilung in Teul- und Zwischenziele, ...
Mathematik, Logik, Formalwissenschaften

Mathematik, Logik und andere Formalwissenschaften bilden eine Grundlage aller anderen erwähnten Disziplinen.
Die Reihenfolge der Schritte stellt den logischen Aufbau dar. Die Motivation geht aber oft vom Wunsch aus, politische Zustände zu verändern, also Schritt 3, und man konstruiert dann rückwärts Begründungen für den Änderungswunsch.

"Dimensionen" des Demokratischen Maskulismus

Innerhalb des Demokratischen Maskulismus existieren relativ viele Varianten bzw. Strömungen. Allen Varianten gemeinsam ist das Ziel, Verletzungen von Grundrechten für Männer zu beseitigen. Manche Varianten haben darüber hinausgehende Ziele, deren Begründung dementsprechende zusätzliche Grundannahmen und Grundwerte erfordert. Die Varianten unterscheiden sich daher in folgenden Aspekten ("Dimensionen") voneinander bzw. können anhand dieser Aspekte klassifiziert werden:
  1. die Themenbereiche von maskulistischen Forderungen
  2. die unterstellten Theorien und Grundannahmen
  3. der geographisch-kulturelle Kontext
  4. der historische Kontext
Details hierzu werden in den folgenden Abschnitten vorgestellt.


Thema: Maskulismus-Varianten


"Politischer" vs. "sozialtheoretischer" vs. "philosophischer" Maskulismus

Wir hatten einleitend den Maskulismus über seine politischen Forderungen definiert. Diese Forderungen sind das Ende einer Kette von Ausgangsannahmen und Schlußfolgerungen, die grob vereinfacht folgende Abschnitte hat (s. Gesamtbild):
  1. Grundannahmen (Grundwerte und Biologie)
  2. aufbauende soziale Theorien
  3. abgeleitete politische Forderungen
Viele Personen, die sich selber als Maskulisten bezeichnen oder so eingeschätzt werden, interessieren sich nur für einzelne Schritte dieser Kette. Ein simpler Grund hierfür ist, daß in den einzelnen Abschnitten sehr unterschiedliche, sich oft überschneidende Fachdisziplinen zum Einsatz kommen:
  • Philosophie
  • Biologie, Medizin, Psychologie
  • Soziologie, Anthropologie, Politologie
  • ferner fallweise Wirtschaftswissenschaften, Bildungsforschung u.a.
sowie als Grundlagendisziplin Mathematik. Festhalten können wir, daß das Gebiet interdisziplinär ist (mit allen daraus folgenden Integrationsproblemen) und einzelne Fachdisziplinen die Probleme nicht alleine lösen können.

Einzelne Personen haben oft nur in einem der Gebiete gute Vorkenntnisse und Interesse. Die Frage, für welche Aspekte man sich interessiert, stellt sich insb. auch für Anfänger, die ihre Kenntnisse noch vertiefen wollen.

Der Fokus auf einzelne Stationen der obigen Kette führt teilweise dazu, Begriffe Maskulismus oder Maskulist mit einer dieser Stationen zu verbinden.
Beispielsweise wird "Maskulismus" manchmal verstanden als Oberbegriff für soziale Theorien, die davon ausgehen, daß biologische Dispositionen eine Rolle spielen. Konkrete politische Forderungen folgen daraus zunächst nicht.
Ein Thema für einen "philosophischen" Maskulismus ist die Gleichwertigkeit von Männern und Frauen trotz ihrer biologischen Verschiedenheit.

Der unten vorgestellte demokratische Maskulismus ist dagegen in seiner Grundform ein rein politischer Maskulismus. Er ist insofern "biologiefrei" und "theoriefrei", als er keine soziale Theorie und keine Annahmen zur Biologie unterstellt, sondern nur wenige elementare ethische Grundlagen.



Thema: Maskulismus-Varianten


Maskulismus vs. politische Ideologie (Liberalismus, Konservatismus, Sozialismus u.a.)

Das oben vorgestellte Gesamtbild ist auch zur Strukturierung aller gängigen politischen Ideologien, namentlich Liberalismus, Konservatismus und Sozialismus, brauchbar. Die Frage stellt daher, ob es sich beim Maskulismus um eine politische Ideologie handelt (beispielsweise listet die englische Wikipedia den Feminismus und den Maskulismus als politische Ideologien) und wie die Maskulismus-Varianten mit den konkurrierenden politischen Ideologien zusammenhängen.
  • Die politischen Ideologien basieren den i.w. gleichen Grundwerten, unterscheiden sich aber in den Präferenzen, nach denen Konflikte zwischen Grundwerten aufgelöst werden.
  • Die naturwissenschaftlichen Grundlagen sind zwar theoretisch unabhängig von jeder Ideologie, werden aber je nach Ideologie selektiv wahrgenommen oder bezweifelt oder sogar geleugnet. Besonders radikale Feminismus-Varianten stellen auch die Gültigkeit der grundlegenden Formalwissenschaften infrage, weil diese eine interessengeleitete Erfindung des Patriarchats seien.
  • Hinsichtlich der unterstellten sozialen Theorien unterscheiden sich die Ideologien z.T. grundlegend, z.B. können völlig andere soziale Mechanismen als vorhanden und relevant angesehen (um nicht zusagen frei erfunden) werden.
Diese Unterschiede lassen sich in sehr ähnlicher Form zwischen Maskulismus-Varianten beobachten (analog auch bei Feminismus-Varianten).

Viele Maskulismus-Varianten kann man als "Teilmenge" einer umfassenden Ideologie ansehen, die man auf die geschlechterrelevanten Aspekte reduziert. Insofern stellen manche Debatten zwischen Maskulismus und Feminismus oder zwischen Maskulismus-Varianten tatsächlich "Stellvertreterkriege" für Debatten zwischen den zugehörigen politischen Ideologien dar.

Umgekehrt kann man versuchen, ausgehend von einem Maskulismus (oder Feminimus), der nur aus thematisch einschlägigen Grundannahmen, sozialen Theorien und politischen Zielen besteht, eine komplette Weltanschauung abzuleiten. Dieser Versuch ist bei feministischen Strömungen zu beobachten, die das Geschlechterproblem als zentrales Problem der Menschheit positionieren, nach dessen Lösung alle anderen Probleme (Kriege, Energiekrise, Umweltschutz usw.) automatisch verschwinden. Derartige Versuche sind zum Scheitern verurteilt und führen zu einer "dünnen Ideologie" (s. Priester), die nicht tragfähig ist.

Ergänzende Quellen



Thema: Maskulismus-Varianten


Thema: Klassifikation nach Zielen, Grundwerten und Kontext



Der demokratische Maskulismus

Generell beruhen maskulistische Forderungen immer auf bestimmten ethisch-philosophischen Grundüberzeugungen, die man auch als Grundwerte bezeichnet. Über manche dieser Grundwerte herrscht weitestgehender Konsens, andere sind strittig und führen dazu, daß auch davon abgeleitete Forderungen strittig sind und Maskulismus-Varianten entstehen.

Als einen minimalen Grundwertekatalog kann man in diesem Zusammenhang die ethisch-philosophischen Grundüberzeugungen bezeichnen, die auf der Seite Ethisch-philosophische Grundlagen des demokratischen Maskulismus aufgelistet sind und in denen die rechtliche Gleichstellung von Männern gem. Grundgesetz Artikel 3 sowie generelle rechtsstaatliche Prinzipien und die freiheitlich-demokratische Grundordnung zentrale Rollen spielen. Man kann alle Maskulismus-Varianten, die auf diesem Grundwertekatalog basieren, zusammenfassend als demokratischen Maskulismus bezeichnen.

Es gibt Maskulismus-Varianten, die im Gegensatz zu diesen Grundwerten stehen und die man fallweise als rechtsradikal, linksradikal, totalitär, faschistiod, antidemokratisch, verfassungsfeindlich oder eine Kombination hiervon bezeichnen kann. Teilweise werden die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten, und es kam schon zu Verurteilungen. Innerhalb der Grenzen der Meinungsfreiheit kann niemand gehindert werden, beliebig dumme Theorien und abstrusen Ansichten zu verbreiten und zu behaupten, im Namen aller Männer zu reden und die Interessen "der Männer" zu vertreten (der Feminismus hat das gleiche Problem).

Der demokratische Maskulismus lehnt die undemokratischen Maskulismus-Varianten vehement ab, er ist eindeutig antifaschistisch und lehnt generell alle totalitären, demokratiefeindlichen Ideologien ab (darunter insbesondere bestimmte radikale Strömungen des Feminismus). Alle unten folgenden Klassifizierungen des Maskulismus untergliedern nur noch den demokratischen Maskulismus.

Die Forderungen des demokratischen Maskulismus betreffen stets zumindest die Beseitigung von strukturellen Diskriminierungen von Männern. Unter strukturellen Diskriminierungen von Männern verstehen wir formelle oder faktische Ungleichbehandlungen in Gesetzen, Verordnungen, Sozialsystemen, Gerichtswesen und andere öffentlich-rechtlichen Strukturen. Beispiele sind:
  • nur für Frauen ausgeschriebene Stellen
  • Einschränkungen des passiven Wahlrechts für Männer
  • bei den gleichen Straftaten höhere Strafen für Männer
  • Bevorzugungen von Frauen beim Sorgerecht für Kinder
usw. Die Themen dieser Diskriminierungen sind vielfältig; entscheidendes Merkmal ist, daß derartige Diskriminierungen offensichtlich unvereinbar mit Artikel 3 des Grundgesetzes sind, wonach niemand wegen seines Geschlechtes benachteiligt oder bevorzugt werden darf.

Adressaten von Forderungen sind hier der Gesetzgeber, das Schulsystem und ähnliche Instanzen. Die Forderungen bestehen darin, die diskriminierenden Zustände generell zu beseitigen.

Als rein strukturellen Maskulismus kann man die Maskulismus-Variante bezeichnen, die sich ausschließlich gegen strukturelle Diskriminierungen wendet und die bei Forderungen, die sich nicht alleine mit dem minimalen Grundwertekatalog begründen lassen, einen neutralen Standpunkt einnimmt.
M.a.W. wird in allen Bereichen, die nur informell durch soziale Konventionen geregelt sind und in denen Männer somit "nur" durch informelle Regelungen diskriminiert werden können, für keine Seite Partei ergriffen. Entsprechende Debatten werden eher als allgemeinpolitische bzw. gesellschaftliche, nicht speziell männerrechtliche Debatten angesehen.

Ein rein struktureller Maskulismus ist insofern reaktiv, als seine Themen von den Defiziten aktuell gültiger oder geplanter Gesetze und formaler Strukturen abhängen. In einer idealen, diskriminierungsfreien Welt wird er scheinbar gegenstandslos: dieser Eindruck täuscht allerdings, denn Gesetze und formale Strukturen ändern sich ständig und müssen immer wieder gesellschaftlich neu ausgehandelt werden. Hinzu kommt die Tendenz, immer mehr Lebensbereiche, die bisher informell geregelt waren, durch Gesetze zu regeln und unerwünschtes Verhalten formal zu kriminalisieren.


Thema: Klassifikation nach Zielen, Grundwerten und Kontext


Klassifikation anhand der Themenbereiche von maskulistischen Forderungen

Ein einfach erkennbares Klassifikationsmerkmal von Maskulismus-Varianten bzw. Strömungen im Maskulismus sind die Themenbereiche von maskulistischen Forderungen. Persönlich interessiert man sich i.d.R. nur für Themen, bei denen man direkt betroffen ist. Nur dann bringt man die Energie auf, sich für den Maskulismus zu engagieren. Die politische Relevanz dieser Themenbereiche hängt logischerweise von der Zahl der direkt oder indirekt betroffenen Personen und vom Ausmaß der Betroffenheit ab.

  1. Beziehungen zwischen Männern und Frauen:

    Hierunter fallen alle Aspekte wie das Innenverhältnis von Beziehungen, Familie und Kinder. Typisch für diese Themen ist eine hohe "Regelungsdichte": angefangen über detaillierte Bestimmungen in Gesetzen oder Verordnungen bis hin zu allgemeinen gesellschaftlichen Erwartungen an das "korrekte Benehmen" oder "gute Manieren". Verfehlungen gegen letztere werden zwar nicht formell, aber durch soziale Ächtung ebenfalls sehr wirksam abgestraft.

    Sowohl die formalen wie die informellen Regeln werden oft als ungerecht und als Benachteiligung empfunden. An formalen Regelungen kann man Kritik natürlich besser festmachen, ferner haben die darin enthaltenen Diskriminierungen deutlichere Auswirkungen als die eher unscharfen Diskriminierungen in den informell geregelten Bereichen. Dies erklärt, warum einzelne Strömungen der Männerrechtsbewegung vor allem an Gesetzen bzw. formell geregelten Konfiktfeldern orientiert sind. Beispiele:

    • Historisch gesehen war und ist die Väterrechtsbewegung eine der wichtigsten Strömungen innerhalb des Maskulismus. Die hier adressierten Themen konzentrieren sich auf das Sorgerecht für Kinder nach Scheidungen, finanzielle Nachwirkungen von Scheidungen und angrenzende Themen. Männer werden hier strukturell deutlich diskriminiert, d.h. Hauptgegenstand ist hier vor allem die rechtliche Gleichstellung von Männern.
    • Ein weiterer Themenbereich, von dem viele Männer direkt betroffen sind, ist Gewalt in Beziehungen, namentlich körperliche Gewalt bzw. Straftaten von Frauen gegen Männer innerhalb einer Ehe oder einer Beziehung. Der Umfang dieses Problembereichs wurde sehr lange massiv unterschätzt bzw. vertuscht, d.h. Strafanzeigen von Männern wurden nicht entgegengenommen, Straftaten von Frauen wurden nicht verfolgt, geltendes Recht wurde also nicht angewandt. Die maskulistische Kernforderung besteht darin, daß Gewalt von Frauen gegen Männer mit dem gleichen Nachdruck geahndet wird wie Gewalt von Männern gegen Frauen und daß betroffene Männer in vergleichbarer Weise unterstützt werden wie betroffene Frauen.
  2. Berufsleben:

    Eine historisch relativ junge Strömung innerhalb des Maskulismus besteht aus Männern, die aufgrund von "Gleichstellungs"gesetzen beruflich diskriminiert wurden. Zentrales Thema ist hier offensichtlich die Aufhebung diskriminierender Gesetze.

  3. Schule und Ausbildung:

    Die Benachteiligung von männlichen Schülern ist ein weiteres Massenphänomen, das sehr viele Eltern bzw. in die Erziehung Involvierte dazu bringt, maskulistische Positionen und Kernforderungen zu vertreten. Diese Personen verstehen bzw. bezeichnen sich aber nicht explizit als Maskulisten.

  4. Sexismus gegen Männer

    Die moralische und/oder intellektuelle Diskreditierung von Männern ist auf der Seite Sexismus gegen Männer näher erläutert. Sie betrifft praktische jeden Mann und hat insofern die größte Zahl Betroffener. Andererseits spielen sich diese Diskreditierungen "nur" in gesellschaftlich informell geregelten Bereichen ab. Es gibt hierzu keine diskriminierenden Gesetze oder andere klar benennbare Strukturen, auf die sich Widerstand konzentrieren könnte. Dies erklärt, warum trotz der großen Zahl Betroffener hierzu keine speziellen Strömungen im Maskulismus vorzufinden sind und das Thema Sexismus immer nur als Ergänzung anderer Themen auftaucht.

Von manchen Themenbereichen sind i.w. nur Männer einer bestimmten Altersklasse betroffen. Von Scheidungen betroffen sind beispielsweise vor allem Väter im Alter zwischen ca. 30 und 45 Jahren. Der Einfluß der Altersklassen wird weiter unten separat diskutiert.


Thema: Klassifikation nach Zielen, Grundwerten und Kontext


Kriterien für die Auswahl von maskulistischen Zielen

Die vorstehende Themenbereiche erfüllen bestimmte Kriterien, die man sich explizit bewußt machen sollte. Diese Kriterien benötigt man immer dann, wenn man entschieden muß, welche Details der recht umfangreichen vorstehenden Themenbereiche relevant sind oder wenn völlig neue potentielle Themenbereiche aufkommen.

In vielen Fällen handelt es sich um direkte Interessengegensätze zwischen Männern und Frauen, die Benachteiligung von Männern ist identisch mit einer Bevorzugung von Frauen. Allerdings passen nicht alle Themenbereiche in dieses Schema. Allgemeiner gefaßte Kriterien sind:

  1. Alle Männer (inkl. Jungen) oder zumindest große Untergruppen sind gleichartig von dem Problem betroffen.
  2. Frauen sind nicht (negativ) von dem Problem betroffen. Sonst wäre jeder Lebensmittelskandal oder steigende Energiepreise ein männerrechtliches Thema. Probleme, von denen Männer und Frauen gleichermaßen negativ betroffen sind, sind allgemeinpolitische Themen.
Nach den diesen Kriterien sind die Genitalverstümmelung von Jungen oder die Früherkennung von Prostatakrebs maskulistische Themen. Allerdings besteht hier praktisch kein Interessengegensatz zwischen Männern und Frauen. (Analog dazu sind Männer nicht von Brustkrebs oder Folgen der Menopause betroffen.) Derartige Themen werden oft nicht als maskulistisch, sondern allgemeinpolitisch anbesehen. Im engeren Sinne maskulistisch sind daher nur Themen, bei denen ein Interessengegensatz zu Frauen besteht, z.B. Sorgerechtsfragen.

Themen mit bzw. ohne Interessengegensatz unterscheiden sich grundlegend in der Strategie, wie man entsprechende Ziele verfolgen sollte: Sofern kein Interessengegensatz vorhanden ist, sollte stets kooperativ mit "den Frauen" an der Erreichung der Ziele gearbeitet werden. Allerdings fehlt bei Frauen, weil sie nicht selbst betroffen sind, oft die Sachkenntnis und die Initiative, auf Änderungen hinzuwirken. Somit wird die politische Akivität i.d.R. einseitig von Männern bzw. männerrechtlichen Organisationen ausgehen.



Thema: Klassifikation nach Zielen, Grundwerten und Kontext


Klassifikation anhand der unterstellten Theorien und Grundannahmen

Alle nicht rein strukturellen Maskulismus-Varianten begründen ihre Forderungen auf Basis von weitergehenden Annahmen, Wertungen oder Theorien:
  1. Soziale Theorien

    Männerrechtliche Forderungen werden manchmal mit sozialen Theorien begründet.
    Dies sei an einem Beispiel erläutert. In manchen Maskulismus-Varianten wird es als Unrecht angesehen, daß der Männeranteil unter den verbeamtete Grundschullehrern unter 10% liegt, zumal dieser Beruf wegen der guten Bezahlung, der sehr hohen Arbeitsplatzsicherheit und der vielen Freizeit sehr attraktiv ist (entgegen anderslautender Propaganda). Es lassen sich aber keinerlei strukturelle Diskriminierungen finden, die junge Männer formell daran hindern würden, Lehramt Grundschule zu studieren und sich anschließend um Stellen zu bewerben.

    Ein rein struktureller Maskulismus sieht in der starken Überrepräsentanz von Frauen daher kein grundsätzliches Problem und führt das statistisch unterschiedliche Berufswahlverhalten von Männern und Frauen (das in sehr vielen Berufe zu beobachten ist) auf statistisch unterschiedliche Interessen von Männern bzw. Frauen zurück.

    Im Gegensatz dazu kann man soziale Theorien aufstellen, denen zufolge das Interesse an bestimmten Berufen sozial konstruiert wird und die Unterrepräsentanz von Männern in den Lehrämtern (oder allgemeiner gesagt das statistisch verschiedene Berufswahlverhalten von Männern und Frauen) somit Folge von subtileren, nichtstrukturellen Benachteiligungen ist. Die Theorie muß außerdem erklären, warum das ungleiche Verhalten von Männern und Frauen derart schlimm ist, daß ein Eingriff in die individuellen Entscheidungen mündiger Bürger gerechtfertigt ist.

    Als Gegenmaßnahme werden z.B. Quoten und andere dirigistische Eingriffe in soziale Strukturen gefordert. Da das Berufswahlverhalten aber nur das Endergebnis sehr langfristiger und komplexer sozialer Prozesse ist, ergibt sich eine Vielzahl von Stellen, wo man mit Interventionen in diese Prozesse eingreifen könnte bzw. müßte. Die Auswahl dieser Interventionen ist i.d.R. willkürlich, ferner ist meist unklar, ob die Interventionen erfolgreich sein werden.

    Die sozialen Theorien und erst recht die damit begründeten Interventionen sind oft hochgradig strittig, d.h. hierdurch entstehen konkurrierende Maskulismus-Varianten.

    Die Nutzung sozialer Theorien führt ferner oft dazu, daß das Themengebiet über rein männerrechtliche Forderungen ausgedehnt wird (s. nächsten Punkt).

  2. Weltanschauungen

    Das Grundthema des Maskulismus ist die Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Gleichberechtigung ist aber ein viel allgemeineres Thema und kann auch auf den Vergleich anderer sozialer Gruppen bezogen werden, z.B. verschieden wohlhabende Bevölkerungsschichten, Immigranten vs. Einheimische, Lebensverhältnisse in verschiedene Regionen, verschiedene sexuelle Orientierungen usw. Vielfach werden männerrechtliche Forderungen daher zusammen mit weiteren Forderungen, die nichts mit dem Verhältnis von Frauen und Männern zu tun haben, formuliert und als untrennbar von diesen anderen Forderungen angesehen.

    Sofern man das Grundthema Gleichberechtigung auf die alle möglichen Aspekte ausweitet, endet man sehr schnell darin, eine komplette Weltanschauung zu definieren - entsprechende Maskulismus-Varianten kann man daher auch als weltanschauliche Varianten bezeichnen. Beispielsweise gibt es mehrere Maskulismus-Varianten, die sich als "linken Maskulismus" bezeichnen. Das Verhältnis von Männern und Frauen ist bei dieser Sichtweise nur noch ein Unterthema innerhalb einer umfassenden Weltanschauung, Maskulismus (ebenso Feminismus) bildet keinen wirklich eigenständigen Themenkomplex mehr.

    Selbst dann, wenn man ausgehend von einer Weltanschauung den Betrachtungshorizont wiederum auf das Verhältnis zwischen Männern und Frauen einschränkt, werden diese hier vor allem als Teil von wirtschaftlichen oder allgemeineren sozialen Prozessen angesehen. Interessengegensätze zwischen Männern und Frauen werden teilweise als Interessengegensätze von sozialen Klassen gesehen. Ferner können die Interessengegensätze zwischen Männern und Frauen von Klasse zu Klasse verschieden sein.

    Die Forderungen von weltanschaulichen Maskulismus-Varianten betreffen nicht nur formale gesellschaftliche Strukturen, sondern auch Männer und Frauen als Individuen und deren Verhalten im Privatleben, also informell geregelte soziale Bereiche. Im Extremfall können die Forderungen auf einen Komplettumbau aller gesellschaftlichen und sozialen Strukturen hinauslaufen.

    Das Hauptproblem von weltanschaulich begründeten Maskulismus-Varianten liegt darin, daß man zunächst einmal eine umfassende soziale Theorie benötigt bzw. voraussetzen muß, die die sozialen Klassen und ihre Klassengegensätze beschreibt und erklärt. Ob überhaupt eine Diskriminierung oder ein allgemeineres Unrecht vorliegt, wird typischerweise dadurch definiert, daß die tatsächlichen Verhältnisse von den Verhältnissen abweichen, die gemäß der sozialen Theorie eigentlich vorhanden sein müßten. D.h. sofern die soziale Theorie strittig ist, herrscht noch nicht einmal Konsens darüber, ob überhaupt eine Diskriminierung oder ein Unrecht vorliegt.

    Konkurrierende soziale Theorien führen zu unterschiedlichen Wahrnehmungen von Diskriminierungen und daher zu konkurrierenden Maskulismus-Varianten. Selbst innerhalb einer Theorie können die Diskussionsteilnehmer verschiedenen Klassen angehören und gegensätzliche Forderungen haben ("linker", "rechter", "links- oder rechtsradikaler", "liberaler", "konservativer" usw. Maskulismus).

  3. Biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen

    Männer und Frauen weisen sehr viele biologische bzw. medizinische Unterschiede auf, überwiegend aber natürlich Gemeinsamkeiten. Manche Maskulismus-Varianten beziehen sich auf die biologische Gleichheit bzw. Ungleichheit. Entscheidend ist, daß überhaupt biologische Argumente zur Begründung, warum ein Unrecht vorliegt, herangezogen werden.

    Beispielsweise wird teilweise der Sachverhalt, daß Männer eine deutlich geringere Lebenserwartung haben als Frauen, als Diskriminierung von Männern im Gesundheitswesen interpretiert. Implizit unterstellt wird hierbei, daß dieser Unterschied keine biologischen Ursachen hat.

    Ein anderes Beispiel ist Unterschied der statistische signifikante Unterschied in der Körpergröße und dem Anteil an Muskelmasse, der dazu führt, daß Männer für Berufe wie Dachdecker, Maurer und viele andere handwerkliche Berufe besser als Frauen geeignet sind. Diese biologischen Unterschiede führen allerdings nicht zu originären Forderungen, mehr Männer in diese Berufe zu befördern, denn diese Berufe sind schon längst männerdominiert. Maskulistische Positionen entstehen hier vor allem als Gegenreaktion auf feministische Forderungen, Männer zu diskriminieren, um den Anteil der Frauen zu erhöhen. Sofern diese feministisch begründeten Diskriminierungen bereits realisiert wurden, werden die vorhandenen strukturellen Diskriminierungen unabhängig davon als Unrecht angesehen, ob sie mit biologischen oder anderen Argumenten begründet werden.

Soziale Theorien, Weltanschauungen und biologische Unterschiede sind die häufigsten Arten von Argumenten, die über formale Diskriminierungen hinaus in der Geschlechterdebatte auftreten. Jedem Anfänger ist wärmstens anzuraten, den Blick für zu schärfen, ob und wo in der Geschlechterdebatte nichtstrukturelle Argumente benutzt werden. Sobald diese benutzt werden, ist Streit vorprogrammiert: Soziale Theorien sind im Gegensatz zu mathematischen Theorien nicht beweisbar, sondern zum Teil Glaubenssache oder beruhen auf oft selektiven Wahrnehmungen, die ggf. zu inneren Widersprüchen führen. Daher sind soziale Theorien regelmäßig sehr komplex und bilden ggf. im Detail wiederum Denkschulen aus. Die Nutzung biologischer Argumente zur Definition von Unrecht ist ebenfalls kritisch zu sehen, ebenso daraus abgeleitete politische Forderungen, Männer speziell zu behandeln. Bei eindeutigen biologischen Unterschieden treten sowieso keine Interessenkonflikte auf - daß Frauen Schwangerschaftsurlaub bekommen und stillende Mütter Stillpausen einlegen dürfen, Männer aber nicht, wird niemand als Diskriminierung von Männern empfinden. Umgekehrt kommt sich keine Frau benachteiligt vor, wenn Vorsorgemaßnahmen gegen Prostatakrebs verbessert werden. Sofern überhaupt bei Interessenkonflikten biologische Argumente benutzt werden, sind die biologischen Unterschiede oft statistisch nur schwach ausgeprägt oder nicht einwandfrei erwiesen.

Die Benutzung von sozialen Theorien und biologischen Unterschieden hat aus Sicht von Anfängern einen weiteren Nachteil: Die Theorien und die biologischen Fakten sind sehr komplex, also weitaus komplexer als die engere Thematik Männerrechte. Die Chancen sind für Anfänger sehr hoch, sich mit diesen Argumenten nur zu blamieren, weil man die Themen nur lückenhaft oder falsch verstanden hat oder strittige Thesen für gesicherte Wahrheiten hält.
Der These, daß nur studierte Kenner einer Materie eine politische Meinung äußern dürfen, sollte man strikt widersprechen: analog dazu könnte man beispielsweise bei aktuellen Verschuldungsproblematik allen Bürgern außer den Absolventen eines VWL-Studiums verbieten, eine politische Meinung zu haben bzw. zu äußern. Letztlich trägt jeder Bürger die Folgen von (Fehl-) Entscheidungen und hat daher ein Recht auf Mitsprache.

Viele Diskussionsteilnehmer sind "nur" von strukturellen Diskriminierungen betroffen und interessieren sich nur in diesem Sinne für die Männerrechtsthematik. Diese Personen - also insb. für Anfänger, an die dieser Blog sich richtet -, sollten die Forderung, zuerst einmal komplexe soziale Theorien oder Fachsprachen zu erlernen, um überhaupt an der politischen Diskussion teilnehmen zu dürfen, klar zurückweisen, andererseits darauf aufpassen, keine Argumente aus diesen Bereichen zu benutzen.


Thema: Klassifikation nach Zielen, Grundwerten und Kontext


Klassifikation anhand des geographisch-kulturellen Kontextes

Diskriminierungen von Männern sind geographisch (bzw. kulturell) keineswegs einheitlich. In Nordamerika sind beispielsweise Diskriminierungen von Männern zu beobachten, die glücklicherweise hier in Deutschland nicht bzw. noch nicht vorhanden sind. Durch den Bezug auf Diskriminierungen, die spezifisch für einzelne Staaten oder Kulturen sind, entstehen schon aufgrund der Sachthemen länder- bzw. kulturspezifische Maskulismus-Varianten.

Diese Spezialisierung wird dadurch verstärkt, daß z.B. deutsche Männer von in Nordamerika auftretenden Diskriminierungen nicht direkt betroffen sind und nicht direkt Klagen oder Beschwerden bei nordamerikanischen Parteien oder Institutionen erheben können. Bestenfalls kann man sich mit dem nordamerikanischen Maskulismus und seinen Forderungen solidarisch erklären. Aufgrund der fehlenden eigenen Anschauung und Kenntnis der sozialen Verhältnisse sind speziell Anfänger i.d.R. auch fachlich überfordert, Diskriminierungen in anderen Ländern oder Kulturen zu benennen und politische Forderungen aufzustellen.

Der in diesem Blog dargestellte Maskulismus kann als deutscher Maskulismus bezeichnet werden, da er sich auf Diskriminierungen von Jungen und Männern konzentriert, die in Deutschland auftreten. Die gleichen Diskriminierungen sind zwar auch in vielen anderen Ländern zu beobachten, generell ist aber davor zu warnen, Analysen von einem Land bzw. einer Kultur ungeprüft auf ein anderes zu übertragen.


Thema: Klassifikation nach Zielen, Grundwerten und Kontext


Klassifikation anhand des historischen Kontextes

Diskriminierungen von Männern sind selbst innerhalb eines Landes bzw. innerhalb einer Kultur zeitlich nicht konstant. Die meisten der heute in Deutschland zu beobachtende Diskriminierungen von Jungen und Männern sind erst in den letzten 10 - 20 Jahren entstanden bzw. sichtbar geworden. Zugespitzt formuliert hat daher der heutige Maskulismus in Deutschland nur wenig Ähnlichkeit mit dem Maskulismus der 1980er Jahre in Deutschland.
Die gleiche Beobachtung trifft auf den Feminismus zu: von Historikern wird dieser in drei Wellen eingeteilt. Die erste Welle hatte als Ziel, Frauen das Wahlrecht und andere elementare Bürgerrechte zu verschaffen; in der dritten Welle, in der wir uns zur Zeit befinden, sind diese Themen längst nicht mehr aktuell, sondern es geht z.B. im Rahmen der Frauenquoten eher darum, Frauen gegenüber Männern gesetzlich zu bevorzugen.
Politische Forderungen können sich natürlich nur gegen aktuell vorhandene Diskriminierungen richten, nicht mehr gegen solche, die schon früher beseitigt wurden.

Der in diesem Blog dargestellte (deutsche) Maskulismus kann als Maskulismus der 2010er Jahre bezeichnet werden, da die in den letzten 10 - 15 Jahren entstandenen Diskriminierungen einen Schwerpunkt bilden.


Thema: Klassifikation nach Zielen, Grundwerten und Kontext


Einfluß der Alterskohorten

Die obenstehenden Klassifizierungen haben sich auf Ziele, Theorien und Grundwerte des Maskulismus konzentriert und weitgehend von den Betroffenen und den sozialen Merkmalen der Aktivisten abstrahiert. Wie Ziele, Theorien und Grundwerte im Detail ausgestaltet werden, hängt natürlich von der persönlichen Betroffenheit ab - ohne ein gewisses Maß an Betroffenheit wird man nicht aktiv - und von den persönlichen Erfahrungen. Die Betroffenheit und der Erfahrungshintergrund hängen deutlich von der sozialen Klasse ab, der man angehört, und von der Alterskohorte bzw. "Generation". Der Einfluß der Altersklasse ist aus zwei Gründen überraschend hoch:
  • Von einigen der oben gelisteten Themenbereiche sind nur Männer einer bestimmten Altersklasse betroffen. Von Scheidungen und Sorgerechtsstreitigkeiten betroffen sind beispielsweise vor allem Väter im Alter zwischen ca. 30 und 45 Jahren.
  • Durch den drastischen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Wandel in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg sind die Alterskohorten deutlich anders sozialisiert worden.
Diese Einflüsse gelten natürlich ebenfalls für Frauen. Die Feminismuskritik des Maskulismus ist daher ebenfalls vielfach alterskohortenspezifisch. I.w. kann man folgende Alterskohorten unterscheiden:
  • Die "Babyboomer-Generation", also ungefähr die Jahrgänge 1950 bis Mitte der 1960er Jahre, die heute ca. 50 - 65 Jahre alt sind,
  • Generation X, also den frühen 1960er bis in die frühen 1980er Jahre Geborene
  • Generation Y, also den 1980er und 1990er Jahre Geborene.
Diese Generationen sind teilweise unter drastisch anderen Randbedingungen aufgewachsen und in ihrer Weltsicht und ihrem Selbstverständnis geprägt worden:

Ideologisch waren die Baby-Boomer geprägt durch die Aufarbeitung des Faschismus und die großen gesellschaftlichen Umbrüche, wozu die 2. feministischen Welle zählt, speziell die Verbesserung der Rechte von Frauen. Für Generation X und Y waren diese Errungenschaften schon weitgehend selbstverständlich, Faschismus ist oft nur noch aus den Geschichtsbüchern bekannt.

Wirtschaftlich wuchsen die Baby-Boomer als Kinder in aus heutiger Sicht bescheidenen Verhältnissen auf, sie erlebten als junge Erwachsene den enormen wirtschaftlichen Aufstieg ("Wirtschaftswunder") und immer neue technologische Innovationen, es gab sehr viele soziale Aufsteiger und Bildungsaufsteiger und den Glauben, alles sei irgendwann machbar. Für Generation X und Y waren Wohlstand und gute Bildung bereits mehr oder weniger selbstverständlich, soziale Aufsteiger wurden immer seltener. Stattdessen ist vor allem in der Generation Y die Gefahr eines sozialen Abstiegs und die schwächer werdende Position der westlichen Staaten gegenüber aufstrebenden Entwicklungsländern immer stärker bewußtseinsprägend.

Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen der Baby-Boomer war noch durch Gesetze und Gebräuche, die starke Position der Kirchen, vor allem aber durch das Vorbild der eigenen Eltern, vergleichsweise eingeengt bzw. konventionell. In der Folgezeit führte die Empfängnisverhütung zu einer erdrutschartigen Veränderung im Geschlechterverhältnis, die Wertstellung von Ehe und Kindern sank erheblich, die Scheidungsquote stieg erheblich an, Frauen wurden hinsichtlich ihrer formalen wie informellen Rechte immer besser gestellt und ermuntert, immer mehr Ansprüche an Männer zu stellen, während Männer zugespitzt formuliert unter einem Dauerbeschuß an Kritik und Verächtlichmachung standen.

Auch wenn die vorstehende Beschreibung nur beispielhaft und oberflächlich ist, sollte klar sein, daß die Generationen sehr verschiedene Wahrnehmungen davon haben, welche Probleme im Geschlechterverhältnis relevant sind und welche Optionen und Handlungsspielräume zur Verfügung stehen. Beispielhaft sichtbar wird der hierin liegende Generationenkonflikt auf der feministischen Seite in der Women Against Feminism-Kampagne, die im Sommer 2014 viel Resonanz hatte bzw. noch hat. Mangels Masse und wegen der kürzeren Historie existiert im Maskulismus kein vergleichbarer sichtbarer Konflikt. Das grundlegende Problem, daß die verschiedenen Alterskohorten sehr verschiedene Erfahrungen und Ansichten haben, ist aber prinzipiell das gleiche.



Thema: Klassifikation nach Zielen, Grundwerten und Kontext


Andere inhaltliche Klassifikationen

Antifeminismus

Maskulismus wird oft fälschlich mit Antifeminismus gleichgesetzt. Der Begriff Feminismus ist sehr vielschichtig, in http://en.wikipedia.org/wiki/Feminism bzw. http://en.wikipedia.org/wiki/Feminist_movements_and_ideologies werden dutzende Haupt- und Untervarianten aufgelistet. Beim Begriff Antifeminismus bleibt unklar, gegen welche einzelnen oder kombinierten Varianten des Feminismus man ist. Es bleibt auch unklar, was "dagegen sein" genau bedeutet, insb. kann man so nicht ausdrücken, wofür man steht. Der Begriff Antifeminismus ist daher irreführend und zur indirekten Beschreibung des Maskulismus oder von Maskulismus-Varianten ungeeignet.
Die Befassung mit dem Feminismus und dessen zumindest teilweise Ablehnung ist andererseits für den Maskulismus unvermeidlich, s. hier zu eine separate Seite.

Ergänzende Lektüre

Die hier vorgestellte Klassifizierung von Maskulismus-Varianten ist keineswegs die einzig denkbare. Die folgenden Quellen beschreiben andere Klassifizierungen und/oder konkrete Maskulismus-Varianten:


Thema: Klassifikation nach Zielen, Grundwerten und Kontext


Thema: Klassifikation nach Organisationsformen



Kooperativer vs. autonomer Stil

Die vorstehenden Klassifizierungen bezogen sich auf die Ziele und Argumente zur Begründung der Ziele. Dies läßt offen, auf welchem Weg man die Ziele erreicht, namentlich
  • welche Personen die Ziele formulieren und konkretisieren
  • wie dieser Prozeß organisiert wird.
M.a.W. gehen wir hier zur Definition des Maskulismus als soziale Bewegung über, also einer Gruppe von Personen, die sich irgendwie organisiert, um gemeinsame Ziele zu verfolgen.

Naheliegenderweise sind zunächst einmal "die Männer" in der Pflicht, ihre Interessen und Ziele zu formulieren. Hierfür sind zwei verschiedene Stile denkbar:
  • Autonomer Stil: "die Männer" denken zunächst alleine über ihre Interessen und die resultierenden Ziele und politischen Forderungen nach. Erst danach tritt man in einen offeneren politischen Prozeß ein.
  • Kooperativer Stil: Schon bei der Analyse der eigenen Interessen und bei der Definition von Zielen und politischen Forderungen werden Frauen bzw. Feminismus-Vertreter eingebunden.
Sofern kein Gegensatz zu Interessen von Frauen vorhanden ist, wird man versuchen, kooperativ mit "den Frauen" an der Erreichung der Ziele zu arbeiten, also zunächst bei "den Frauen" überhaupt Interesse zu wecken (vgl. oben Kriterien für die Auswahl von maskulistischen Zielen).
Bei Interessengegensätzen wird man sich vor allem mit den vorhandenen Meinungsgegnern und deren Argumenten auseinandersetzen.

Der autonome Stil ist im Feminismus weit verbreitet. Unter dem Schlagwort benevolent sexism werden Männer oft explizit als Teilnehmer bei der Formulierung weiblicher Interessen abgelehnt, mit teilweise durchaus plausiblen Begründungen. Der autonome Stil wird als Hauptursache für die extreme Radikalisierung vieler Strömungen des Feminismus angesehen. Es ist allerdings unklar, was Ursache und was Wirkung ist: bereits radikalisierte Frauen, die ggf. schon einen ausgeprägten Männerhaß entwickelt haben, suchen typischerweise ähnlich gesinnte Personen als Gesprächspartner; darunter dürften nehaliegenderweise kaum Männer oder Männerrechtler zu finden sein.

Ähnliche Zusammenhänge zwischen autonomem Stil und Radikalisierung sind bei gewissen maskulistischen Strömungen zu beobachten. Die radikalisierten Strömungen im Maskulismus und Feminismus gelten im übrigen als Hauptverantwortliche für das oft schlechte Image beider sozialer Bewegungen.

Wegen der Gefahr der Radikalisierung und folgender Imageschäden lehnen viele Männer den autonomen Stil strikt ab und in der Folge oft jegliches Engagement für Männerrechte. Die Stilfrage ist daher für die Aktivierung von Betroffenen wichtig.

Eine Patentlösung des Stilproblems gibt es nicht, man wird fallweise beide Stile praktizieren müssen. Wenn keine Interessengegensätze vorhanden sind, wird man einen kooperativen Stil bevorzugen, ansonsten einen autonomen. Relevant ist auch, welche konkreten Personen an den Debatten beteiligt sind und in welchem Rahmen die Debatten stattfinden (offene Internet-Foren, Konferenzen, parteiinterne Debatten usw.).



Thema: Klassifikation nach Organisationsformen